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Google-Chef zu Besuch in Leipzig

Mai 31st, 2013 · Allgemein

Google-Vorstand Eric Schmidt war am Donnerstag zu Gast in Leipzig. Eigentlich wollte er sein Buch vorstellen, im Uni-Hörsaal aber stellte er sich den kritischen Fragen der Leipziger. Datenjournalismus zeigt, wie verschieden die Ansichten von Google und seinen Nutzern sind.

Organisiert vom Verein Medienstadt Leipzig e.V. war einer der einflussreichsten Männer der Welt in Leipzig zu Gast. Eric Schmidt ist nicht nur Berater von US-Präsident Barack Obama, vielmehr gehört er zu den Mitbegründern von Google, war einst Chef des Unternehmens und ist jetzt im Verwaltungsrat tätig.

Die Google-Köpfe sorgten für einen hohen Besucherandrang in Leipzig.

Mit angereist war auch Jared Cohen, der 31-Jährige ist Chef von Google Ideas. Die beiden Gäste stellten sich geduldig den durchaus kritischen Fragen der rund 500 Leipziger.

“Wir sind kein Monopol”, Eric Schmidt, 30.Mai 2013, Leipzig

Das Publikum bestand vor allem aus 20-30 Jährigen Studenten der Universität. Eine durchaus aufgeklärte Internetgeneration traf also – mitten in Leipzig – auf die Köpfe des wohl einflussreichsten Internetunternehmens unserer Zeit.
Dieses Ereignis möchte Leipzig-Investigativ nutzen, um ansatzweise zu zeigen, was Datenjournalismus kann und was die Leser in Zukunft auf diesem Blog erwarten wird. Die dafür verwandte Methode ist simpel: Es werden sowohl die Redeanteile von Eric Schmidt und Jared Cohen, als auch der Redeanteil des Publikums und von Prof. Kleinwächter in sogenannten “Word Clouds” dargestellt und miteinander verglichen. Eine Methode die – fern von aller Rhetorik – auf einfache Weise nachvollziehen lässt, was den Rednern, wie auch den Leipzigern wirklich wichtig war.

“We do not sell your Information to anyone”, Eric Schmidt, 30.Mai 2013, Leipzig

Von links: Jared Cohen, Eric Schmidt und Prof. Dr. Wolfgang Kleinwächter (Medienstadt Leipzig e.V.)

Es war natürlich zu erwarten, dass vor allem Eric Schmidt mit rhetorischer Finesse selbst die kritischsten Fragen kontern oder mit Floskeln beantworten würde. Er hatte den größten Redeanteil an diesem Nachmittag. Die folgende “Word Cloud” ist ein Instrument des Datenjournalismus und zeigt die Wörter auf, welche Schmidt am Donnerstag in Leipzig am häufigsten benutzt hat. Sie zeigt also, von der Rhetorik unberührt, was für den Google-Mann wirklich wichtig ist:



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Dass Schmidt das Wort “Google” in jedem Satz erwähnen musste, ist nicht verwunderlich. Aber interessant sind die anderen, am meisten von ihm benutzten Wörter. Nämlich “Company”, “Law”, “Advertising”, “Government”. Worte wie Privatsphäre oder Datenschutz, spielen für Schmidt kaum eine Rolle. Er sieht Google lieber als Unternehmen, dass Werbung liebt und dessen Rolle in der großen Weltpolitik zu finden sein soll. Am besten im Zusammenspeil mit Regierungen und – so möchte Schmidt es vermitteln – im Einklang mit den Gesetzen.

Jared Cohen hatte an diesem Tag zwar eher die Aufgabe das Publikum mit Selbstironie bei Laune zu halten – oder von kritischen Fragen abzulenken – aber wie die Analyse seines Redeanteils zeigt, war sein Sprechen klar ausgerichtet:



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Jared Cohens Schlüsselwörter waren “New”, “World”, “Internet” und “Online”. Auch er vermied Worte wie “Privacy” oder “Data”. Kein Wunder, versuchte Jared Cohen doch, wie auch Eric Schmidt, Google als die unvermeidliche Zukunft zu verkaufen. Ein Unternehmen, dass die Welt verändern soll, mithilfe des Internets. Das ist ihre Botschaft.

“Google unterstützt die Meinungsfreiheit”, Jared Cohen, 30.Mai 2013, Leipzig

Dass die Nutzer – in diesem Fall vertreten durch die Leipziger – das anders sehen, zeigt die Analyse ihres Redeanteils an diesem Donnerstag:



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Die häufigsten Wörter der Leipziger waren: “Google”, “Data”, “World”, “Services”, “Personal”. Man kann also sagen: Auch für die Nutzer spielt Google eine entscheidende Rolle in unserer zukünftigen Welt, eben auch durch die von den Nutzern gesuchten “Services”. Aber, gleichzeitig machen sie sich – zu Recht – ernsthafte Sorgen um ihre persönlichen Daten.

Wer möchte, kann hier selbst die komplette Veranstaltung nachhören.

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